Poetry Slam: Wanderer

Mich umgibt eine Mauer. Jeder Stein wurde einzeln gesetzt, gestapelt und platziert. Gesetzt, gestapelt und platziert. Wurde um mich herum gebaut, denn meine Gedanken waren zu laut.

Euch umgibt eine Mauer. Jeder Stein wurde einzeln gesetzt, gestapelt und platziert. Gesetzt, gestapelt und platziert. Wurde um euch herum gebaut, denn eure Gedanken waren zu laut.

Wir fühlten uns frei. Waren bereit zu schreien und wir selbst zu sein; in dieser schönen Welt zu verweilen. Waren bereit. Bereit die Freiheit zu feiern und mit Anderen die Zukunft zu teilen. 

Wir fühlen uns gefangen. Wollen schreien und wir selbst sein und in dieser schönen Welt verweilen, doch sind gefangen. Gefangen in diesem Untergang, in dem Mensch nicht mehr Mensch sein kann und verratet mir, was sind wir dann- wenn Farbe nur noch weiß sein kann?

Farbe nur noch weiß sein kann.

Und irgendwann, da wird dieses Weiß zum Zwang.

Das System liefert den Beweis, wir drehen uns immer und immer wieder im Kreis. Dieser Kreis sind wir.

Bewegen uns in ihm- in diesem Versehen. Versehen uns in dieser Ideologie. Ideal das Ideal abstrahieren.

Und plötzlich wird ein Leben, Teil  dieses Extremen. Dieses Problems. Doch dieses Problem befindet sich in unserem Kopf. Implantiert in unser Selbst. Unser individuelles Ich. Ein Individuum, das der Wahrheit entwischt. Individuell.

Denn wir sind links, rechts, geradeaus, verquer, schwarz, weiß, bunt. 

Denn wir sind links, rechts geradeaus, verquer, schwarz, weiß, bunt, nichts.

Sind nichts.

Und so verstecken wir unser wahres Gesicht.

Erschaffen Grenzen. Schützen sie mit Präferenzen, doch vergessen dabei die Konsequenzen.

Denn wir sind so konsequent gut darin die Grenzen der Anderen zu unterschätzen und vergessen dabei, dass wir sie durch Hass ersetzen.

Und so setzen wir uns Grenzen. Doch unsere Grenzen haben Grenzen. Setzen dabei anderen Grenzen und vergessen dabei, dass wir sie durch ganze Länder hetzen.

Dass wir sie durch ganze Länder hetzen. Sie einfach versetzen, begraben und platzieren.

Begraben. Begraben unter Staub, der ihnen die letzte Freiheit raubt. Wir können nicht frei sein; können uns nicht bewegen in diesen Ideen; können sie maximal verstehen.

Ist das ein System? In dem wir systematisch nach unseren Wünschen vorgehen?

Wenn wir nur noch Visionen sein- und nicht durch ferne Wunder reisen- wenn Farben bedeuten nicht mehr bunt sein zu können.

Denn wir erleben ein Wunder und distanzieren uns, weil der Druck in unseren Seelen weilt.

Sind immer nur dagegen, weil die Wut an unser Leben prallt.

Sind dagegen. Sind gegen etwas, während wir für etwas stehen und dabei unseren Egoismus übersehen.

Wir sollten aufhören für das Dagegen zu leben und anfangen das Dafür anzunehmen.

Vielleicht verwandelt sich dann Wut zu Glück und die Gesellschaft unterdrückt uns nicht. Verrückt uns nicht. 

Sind wir verrückt?

Wir leben in einem Körper- einem Wunder. In dem jede Zelle eine revolutionäre Quelle wahr heißt.

Ist das unsere Wahrheit? Entsteht endlich eine Klarheit, wenn wir beginnen Respekt vorzubringen und unsere innersten Gedanken erzwingen?

Doch wir sind gefangen. Gefangen in diesem Untergang, in dem Mensch nicht mehr Mensch sein kann und verratet mir, was sind wir dann, wenn Farbe nur noch weiß sein kann.

Denn wir stehen unter einem Zwang- besitzen dabei ein Verlangen, doch verlangen zu viel. Sind zu stolz um es zu besitzen und so wird uns Individualismus niemals etwas nützen.

Also fangen wir an. Fangen wir an, unser Selbstbild zu schützen und Wandernde mit Respekt zu unterstützen, damit wir nicht in diesem System festsitzen.

Wir drehen uns immer und immer wieder im Kreis. Drehen uns immer und immer und immer wieder. Kreisen. Kreisen weiter in diesem System, in dem wir systematisch unsere Wünsche übersehen. Und dabei versuchen dieser Welt zu entfliehen. Eine Welt, in der wir Flucht zur Erwägung ziehen. Flüchten. Und unsere Ideen verfliegen.

Denn wir bauen anderen eine Mauer. Jeder Stein wurde einzeln gesetzt, gestapelt und platziert. Gesetzt, gestapelt und platziert. Wird um sie herum gebaut, denn ihre Gedanken sind zu Laut.

Ihre Gedanken sind zu laut.

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